
Unser Spaziergang beginnt am Haupteingang zur Flora.
Die Flora besteht eigentlich aus zwei heute eng verbundenen Gartenanlagen: die 1864 eröffnete „Flora“ und der 1914 als Erweiterung fertiggestellte „Botanische Garten“. Der größte Unterschied der Anlagen besteht dabei in ihrer Funktion; während die Flora als „botanischer Zier- und Lustgarten“ angelegt ist, der Elemente aus dem Barock, der Renaissance oder dem englischen Landschaftsgarten zitiert, verfolgte man mit dem „Botanischen Garten“ die eher didaktische und der Wissenschaft dienende Aufgabe eines „Lehrgartens“.
Mit über 12.000 verschiedenen Pflanzenarten und -formen aus aller Welt, die in diversen Außenanlagen, Beeten und Gewächshäusern gezeigt werden, gehört die Flora heute zu den größten Botanischen Gartenanlagen in Deutschland. Besonders beeindruckend ist der sehr artenreiche Baumbestand, noch heute stehen im alten Flora-Park viele aus der Gründungszeit stammende Bäume.
Die Flora gibt es übrigens nur, weil sie von wohlhabenden Kölner Bürgern als Ersatz für den Botanischen Garten in Auftrag gegeben wurde, der bis 1857 an der Stelle des heutigen Hauptbahnhofs stand und diesem dann weichen musste.
Wir gehen durch das Tor, hinein in den alten Flora-Park und stehen direkt im sogenannten Französische Parterre.
Im alten Flora-Park – für dessen Gesamtentwurf der aus Bonn stammende, damals 73-jährige preußische Königliche Generalgartendirektor Peter Joseph Lenné gewonnen werden konnte – werden immer wieder historische Garten- und Parkgestaltungen zitiert. Da wundert es nicht, dass den Auftakt das sogenannte „Parterre“ macht, das an einen französischen Barockgarten erinnert.
Als Parterre (von französisch par terre, „zur Erde“) bezeichnet man in der Gartenkunst ein flaches, niedrig bepflanztes Gelände, das einem Gebäude vorgelagert ist. Es diente in erster Linie der Repräsentation oder als Bühne für Feste. Häufig wird es durch symmetrisch angelegte Beete geschmückt, die mit kunstvollen Ornamenten aus Buchsbaumhecken, farbigem Kies und niedrigen Blütenpflanzen versehen sind und sich nur von den höheren Stockwerken des Gebäudes aus ganz überblicken lassen. Im Zentrum der Anlage befindet sich – so auch in der Flora – ein Wasserbecken mit Fontäne. Parterres waren wesentliche Elemente der Gartengestaltung von der Renaissance bis zum Rokoko. Ästhetisch stellen sie ein Bindeglied zwischen Architektur und übriger Gartenanlage dar.
Wir gehen weiter bis zum großen Hauptgebäude.
Mittelpunkt der Flora war von Beginn an der sogenannte Glaspalast, ein von Maximilian August Nohl (1830–1863) geschaffener Wintergarten aus Eisen und Glas, der sich am Pariser „Jardin d’hiver“ oder am Londoner „Crystal Palace“ orientierte. Das Bauwerk verbindet Elemente der Neorenaissance mit denen des romanischen Rundbogenstils, zeigt aber auch Versatzstücke der damals populären maurischen Architektur. Das ebenfalls „Flora“ genannte Gebäude diente als Palmenhaus, wurde aber auch für festliche Bälle genutzt.
Die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg begonnene Instandsetzung der Flora wurde dazu genutzt, zahlreiche Gebäude und Anlagen des Historismus, die in der Nachkriegszeit als überladen empfunden wurden, abzureißen. In diesem Zug wurde auch die Eisenkuppel des Palmenhauses demontiert und das Gebäude als nur einstöckiger Festsaal wieder hergestellt. Der Konzert- und Festsaal sowie die alten Gewächshäuser wurden vollständig abgebrochen.
Seit Juni 2014, zum 150. Jubiläum, zeigt sich das Gebäude nach der Generalsanierung im alten Glanz. Heute gehört der „Flora-Palast“ zu den vornehmen Örtlichkeiten Kölns und bietet ein edles Ambiente für Tagungen, Konzerte, Bälle, Hochzeiten und andere gehobene Veranstaltungen.
Wir gehen rechts um die Ecke des Hauptgebäudes, geradeaus bis wir das Jugendstilgebäude des Frauenrosenhofs erreichen.
Von den vielen Jugendstilbauten, die zur Deutschen Kunstausstellung 1906 errichtet wurden, ist heute nur noch der Frauenrosenhof in Köln erhalten. Der Grund: Das von Joseph Maria Olbrich (1867–1908) geplante Ensemble war als einziges aus Stein gemauert worden. Der österreichische Designer und Architekt entwarf eine Anlage mit Gebäude, Bogengang und terrassierten Beeten in einem Hof, der von Mauern unterschiedlicher Höhe umgeben ist. Zum Weiher hin plante er einen gemauerten Pavillon, hinter dem eine Treppe zu einem Bootsanleger führt. Um einen idyllischen Gesamteindruck zu erreichen, wählte Olbrich Bruchsteinmauerwerk aus rotem Mainsandstein, das in der Abendsonne einen warmen Farbton zeigt.
Die Anlage wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Das ursprünglich gedrungene Gebäude wurde 1955 in sehr veränderten Proportionen wieder aufgebaut. Seine klösterliche Atmosphäre und den verwunschenen Gesamteindruck erhielt der Hof erst zurück, als der abgetreppte Garten, die Umfriedung des Innenhofes und der gemauerte Pavillon am Weiher 1995/96 nach alten Plänen wiederhergestellt wurden.
Wir gehen etwas zurück zum Kaskadenbrunnen.
Den Parkteil in der südlichen Verlängerung des Glaspalasts gestaltete Lenné nach der italienischen Renaissance. Über sechs Stufen führte er das Wasser eine Kaskade hinab, auf beiden Seiten gesäumt von Laubengängen aus halbrund geschnittenen Hainbuchen. Früher bildete das Ende der Achse ein auf der Terrasse des Glaspalasts stehendes Wasserbecken mit der Figur eines Jünglings, der eine Pflanzenschale auf dem Kopf trägt.
Am Beginn des Brunnens stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein weißer Tempel mit einer lebensgroßen Flora aus Carrara-Marmor. Der Kölner Bildhauer Anton Werres (1830–1900) fertigte die Göttin 1864 nach antikem Vorbild, gestiftet hatte sie der Bankier und Mäzen Abraham Oppenheim (1804–1878). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Flora-Tempel abgerissen, obwohl nur das Dach beschädigt war. Seitdem ist auch die Göttin verschwunden.
Wir gehen entgegen des Wasserlaufs der Kaskaden nach oben, wenden und von dort wieder dem Floraweiher zu, den wir linkerhand bis zum Subtropenhaus umrunden.
Zum 100-jährigen Jubiläum der Flora wurde 1964 das Hauptgebäude renoviert und das neue Subtropenhaus errichtet, das seit 2000 auch die Kamelienschau beherbergt. Auf 600 qm Grundfläche werden hier Pflanzen aus jenen Zonen gezeigt, die zwischen tropischem und gemäßigtem Klima liegen. Selbst im Winter ist es im Subtropenhaus angenehm warm, das Gewächshaus bleibt das ganze Jahr über geöffnet.
Die Subtropen sind eine der erdumspannenden Klimazonen, die zwischen den Tropen und den gemäßigten Zonen liegen, etwa zwischen dem 23. und 40. Breitengrad nördlicher bzw. südlicher Breite. Sie zeichnen sich durch warme, tropische Sommer und kühlere, nicht-tropische Winter aus.
Das Subtropenhaus ist vor allem für seine Kamelienschau bekannt. Kamelien (Camellia) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Teestrauchgewächse (Theaceae). Diese Gattung besteht aus etwa 200 bis 300 Pflanzenarten, darunter die bekannte „Camellia japonica“ und die „Teepflanze“ (Camellia sinensis). Die ursprüngliche Namensgebung durch den schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707–1778) erfolgte zu Ehren des Jesuitenpaters und Naturforschers Georg Joseph Kamel (1661–1706), der die Pflanze von Manila nach Spanien brachte.
Vom Subtropenhaus sind es zum Floraweiher nur wenige Schritte. Wir gehen bis zu der kleinen Halbinsel, die in den Weiher hineinragt.
1863, also bereits ein Jahr vor Eröffnung der Flora, wurde der Floraweiher angelegt. Aus gutem Grund, denn genau wie in anderen Gartenanlagen, spielt Wasser als Gestaltungselement und spannender Lebensraum auch in der Flora eine wichtige Rolle.
Die Figurengruppe „Neptun mit Dreizack und Delphin“ gehört von Beginn an zum historischen Inventar der Flora. Die Skulptur wurde 1856 vom französischen Bildhauer Vital Gabriel Dubray (1813–1892) entworfen, 1875 von der Pariser Firma Ducal et Fils als Bronzenguss umgesetzt und stand ursprünglich in der Vierung des Palmenhauses. Um 1900 erhielt die Figur ihren heutigen Platz auf einem Tuffsteinsockel im kurz zuvor vergrößerten Floraweiher. Dubrays Neptun zeichnet sich durch eine besondere Lebendigkeit aus, die durch den wehenden Bart, das um die Hüften geschlungene Gewand und den von Jagdeifer geprägten Gesichtsausdruck unterstrichen wird. Zur 150-Jahr-Feier der Flora im Jahr 2014 wurde die Figur restauriert und kann nun wieder Wasser in den Weiher sprühen und diesem so Sauerstoff zufügen.
Wir gehen nach Norden und erreichen nach nur wenigen Metern die neuen Schaugewächshäuser.
Die in den 1950er Jahren erbauten Schaugewächshäuser waren seit der Jahrtausendwende so marode, dass sie durch drei Neubauten ersetzt werden mussten. 2016 begann man daher, die seltenen Pflanzen auszulagern und die alten Gebäude abzutragen. Die neuen Gewächshäuser mit ihren parabelförmigen Glasdächern sind an gleicher Stelle errichtet wie ihre Vorgänger. Die neue Anlage besteht aus einem großen und einem kleinen Tropenhaus sowie einem Wüstenhaus und schließt den denkmalgeschützten „Tropischen Hof“ ein.
Eine als Naturdenkmal geschützte Libanon-Zeder in diesem Hof stürzte am 14. August 2020 während der Bauarbeiten vermutlich infolge eines Gewitters um. Aus den gesammelten Samen wurde eine Nachzucht des Baumes angelegt, die später an derselben Stelle wieder gepflanzt werden soll.
Wir gehen geradeaus weiter zur Palmenallee.
Wer im deutschen Winter Palmen bewundern will, muss als Kölner*in nicht weit reisen: in der Flora stehen gleich 30 von ihnen, sauber in Reih‘ und Glied zu einer Allee geordnet.
Die chinesische Hanfpalme gilt als besonders kälteresistent, der Kölner Winter wiederum als vergleichsweise mild. Die Domstadt und die Hanfpalme passen also gut zusammen – so gut, dass im Botanischen Garten diese Subtropenbäume Deutschlands erste und einzige Palmenallee bilden. Alle Pflanzen wurden übrigens aus Samen einer 1975 gepflanzten Palme in der Flora selbst gezüchtet.
Am Ende der Palmenallee geht es weiter geradeaus in Richtung Nordosten bis wir schließlich zum Alpinumweiher gelangen
Über und über bedeckt mit hunderten von Seerosen ist die Wasseroberfläche des kleinen Alpinumweihers. Besonders in der Blütezeit der Pflanzen von Juni bis September bietet sich den Besucher*innen der Flora hier ein prächtiges Schauspiel.
Benannt ist der Weiher nach der hinter dem Teich aufragenden, aus Natursteinblöcken gebildeten Felsengruppe des Alpinums, über die sich ein künstlicher Wasserfall in das Gewässer ergießt. Die Technik zur Umwälzung des kleinen und ökologisch sensiblen Parkweihers, der aufgrund der Seerosenbepflanzung als Sonderbiotop gilt, befindet sich teilweise im Gebirgsfelsen. Der Wasserfall reichert den Weiher zudem mit Sauerstoff an. Wie auch der Floraweiher wird der Alpinumweiher heute zusätzlich über eine Ringwasserleitung mit Grundwasser aus einem eigens angelegten Brunnen versorgt.
Wir umrunden den Weiher und gelangen so zur letzten Station, dem Alpinum.
Direkt hinter dem Weiher ragt ein Kunstfelsen in die Höhe, das namensgebende Alpinum. Das 1914 geschaffene künstliche Gebirge bietet artgerechten Lebensraum für zahlreiche Pflanzen aus alpinen Höhen.
Leicht haben es Alpenpflanzen im milden Rheinland allerdings nicht. Denn Enzian, Edelweiß und Co. tun sich schwer, ohne raue Gebirgskälte, eine konstante Schneedecke und optimalen Feuchtigkeitswerten zu überleben. Eine Herausforderung für die Gärtner*innen der Flora, denn Schnee ist selten im milden Klima der Kölner Bucht. Ausgleich schafft ein durch spezielle Mineralien angereicherter Boden – und der Weiher. Denn er erhöht die Luftfeuchtigkeit rund um den Kunstfelsen. Bei besonderer Trockenheit kann das Alpinum zusätzlich mit einer Sprühnebelanlage aus den 1950er Jahren befeuchtet werden.
Doch der Klimawandel hinterlässt auch hier seine Spuren: Konnten anfangs noch Pflanzen aus Hochgebirgen in der Anlage überleben, mussten sie seit der Jahrtausendwende zunehmend durch Arten aus mittleren Regionen ersetzt werden.
Damit endet unser Spaziergang rund um Flora- und Alpinumweiher.
Dank Augusta
Am Botanischen Garten 1a
50735 Köln
Telefon: 0221 2848488
Informationen: dankaugusta.de
Der Zugang zum Gartenlokal erfolgt nach Schließung der Eingänge des Parks über den Parkplatz „Am Botanischen Garten 1a“
Botanischer Garten
Haupteingang: Alter Stammheimer Weg, Köln Riehl
Telefon: 0221 560890
Eintritt frei
April/Mai: 8 bis 20 Uhr
Juni/Juli: 8 bis 21 Uhr
August/September: 8 bis 20 Uhr
Oktober bis März: 8 bis 17 Uhr
Dank Augusta
Am Botanischen Garten 1a
50735 Köln
Telefon: 0221 2848488
Informationen: dankaugusta.de
Der Zugang zum Gartenlokal erfolgt nach Schließung der Eingänge des Parks über den Parkplatz „Am Botanischen Garten 1a“
Botanischer Garten
Haupteingang: Alter Stammheimer Weg, Köln Riehl
Telefon: 0221 560890
Eintritt frei
April/Mai: 8 bis 20 Uhr
Juni/Juli: 8 bis 21 Uhr
August/September: 8 bis 20 Uhr
Oktober bis März: 8 bis 17 Uhr
Bitte eigenen Müll entsorgen
Hunde bitte anleinen
Tiere füttern verboten
Schwimmen verboten
Eisfläche betreten verboten
Im Stadtgebiet von Köln gibt es 15 Parkweiher, die alle von den StEB Köln betreut werden:
Für Fragen oder Hinweise zu den Kölner Parkweihern erreichen Sie uns montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer
oder unter parkweiher@steb-koeln.de
Wenn Sie verletzte Wasservögel entdecken, dann rufen Sie über den Notruf 112 die Tierrettung der Feuerwehr Köln.
